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Ein Beitrag aus Heft 3/2018 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

EPP 4 Touring – Pilotkurs im PKH

Lühesand – eine Prüfung!

Im August 2018 kam über die Vereinsmedien die Info: Vom 19. – 21. Oktober wird eine Prüfungsfahrt zur Insel Lühesand angeboten, bei der man die neue EPP 4 Touring-Qualifikation erwerben kann. Das Wochenende ist in meinem Kalender noch frei und da ich bisher „scheinlos“ bin, gebe ich sofort das Signal: Ich will dabei sein. Viele Gedanken mache ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht – weder darüber, dass es sich ja um eine PRÜFUNGS-Fahrt handelt, noch darüber, dass ein Termin Ende Oktober auf Lühesand auch schon ganz schön ungemütlich werden könnte. Bei dem Wetter im Sommer 2018 mangelt es da vielleicht ein bisschen an Vorstellungskraft…

Es geht um Leadership

Ernst wird es dann Anfang Oktober bei der Vorbesprechung der Fahrt im PKH. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, mal einen Blick in die Voraussetzungen für den Erwerb des europäischen Paddel-Passes zu werfen. Das Werk hat 79 Seiten – Respekt! Es ist frisch überarbeitet, verschlankt und die Kategorie „Touring“ wurde neu aufgenommen. Damit zollt man der Tatsache Respekt, dass es sehr viele Tourenpaddler gibt, die auf Flüssen und Seen als Kanuwanderer unterwegs sind. Für diese Gruppe gab es bisher keinen adäquaten EPP, da ja nicht jeder erfahrene Tourenpaddler zugleich auch auf Küstengewässern unterwegs ist.

Bei der Fahrtenbesprechung wird besonders betont, dass es bei der Prüfung in erster Linie um das „Leadership“ geht. Wir sollen während der Fahrt zeigen, dass wir in der Lage sind, „eine Gruppe von kompetenten Tourenpaddlern (EPP3) in Binnengewässern bei moderaten Bedingungen zu führen.“ Dazu gehört es auch, die Tour in Form eine „Hausaufgabe“ vorher zu planen. Das Ziel ist klar (Unterelbe, Lühesand) und die notwendigen Karten stehen zur Verfügung. Damit es nicht zu einfach wird, hat unser Fahrtenleiter ein Tidengewässer ausgesucht … Als weitere Aufgabe wird außerdem die Vorbereitung eines Notbiwaks gefordert.

Nach dem Erhalt der Karten gehe ich dann erst mal ans Werk: Karten ausdrucken, um mich schon mal zu orientieren. Ich war noch nie auf Lühesand, und das Revier „Unterelbe“ ist mir komplett unbekannt. Irgendwie wollen die Karten aber nicht so richtig zusammenpassen. Zwischen den Fahrwassertonnen 123 und 127 fehlt ein Teil. Es ist doch bestimmt schon Teil der Prüfung, das zu bemerken ;-) Nun gut, die fehlende Karte wird nachgeliefert, und ich kann mir schon mal anschauen, wo wir am Wochenende so paddeln werden. Schifffahrtsstraße … und was für eine. Alle „dicken Pötte“, die den Hamburger Hafen anlaufen, müssen da durch.

Los geht es am Freitagabend. Ein Großteil der Gruppe trifft sich in Neuenschleuse, um bei bestem Wetter die Boote zu packen. Neben dem üblichen Geraffel sollen auch noch Einweggrill und Feuerholz mit ins Boot. Es ist Ende Oktober, und uns stehen zwei lange und kalte Abende bevor. Mit ablaufendem Wasser geht es gemeinsam Richtung Lühesand. Es dämmert schon leicht, und eine wunderbare Abendstimmung macht sich breit. Irgendjemand fordert Stille ein, um die Stimmung „in Ruhe“ genießen zu können. Nun ja … allzu lange hält die Stille nicht. Die Stimmung in der Gruppe ist viel zu gut und alle quasseln miteinander.

Zeltaufbau mit Stirnlampe

Der EPP fordert eine „Mehrtagestouren bei erschwerten Bedingungen“. Auf Lühesand angekommen, müssen wir die Zelte schon im Dunkeln im Licht der Stirnlampe aufstellen und auch das anschließende Grillen findet natürlich im Dunkeln statt. Wenn das mal keine „erschwerten Bedingungen“ sind 😉 Es wird schnell kühl und feucht und uns steht eine kalte Nacht bevor.

Am nächsten Tag beginnt dann die eigentliche Prüfung. Wir wollen von Lühesand nach Hamburg-Blankenese paddeln und zurück. Jeder der Prüflinge übernimmt für einen Teil der Strecke die Führung. Vor Antritt der Fahrt und unterwegs gibt es viel zu tun:

Quer über die Elbe

Ausrüstungscheck: Haben die Teilnehmer Erste-Hilfe Packs, Schleppleinen, Contact-Tow, Lenzpumpe, Ersatzpaddel etc? Wie sieht es aus mit heißen Getränken? Los geht’s und als erstes queren wir das Fahrwasser, es gilt die Gruppe zusammen zu halten und den richtigen Zeitpunkt zu wählen. Unterwegs passieren wir diverse Hafeneinfahrten (Vorsicht ist geboten) und fahren entlang des Tonnenstrichs Richtung Hamburg-Blankenese. Auf der Elbe ist viel Betrieb, vom Motorboot bis zum großen Containerschiff ist hier alles unterwegs und Aufmerksamkeit ist geboten. Wir fahren mit auflaufendem Wasser Richtung Hamburg und passieren u.a. die Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm Höft in Wedel. In Hamburg-Blankenese, auf Höhe des RDE, ist eine Pause und die anschließende Rückfahrt geplant Auch eine Aufgabe für die Fahrtenleitung: einen geeigneten Pausenplatz finden. Geeignet, vor allem um Fischbrötchen oder Kaffee und Kuchen zu erwerben, versteht sich von selbst. Unser Pausenplatz ist perfekt: Wir landen am Strand an und im nahe gelegenen Kiosk gibt es sowohl Fischbrötchen als auch lecker Kuchen!

Nach der Pause ist es an mir, die Gruppe zu führen. Es gilt, wieder das Fahrwasser zu queren, um dann an Hanskalbsand entlang zurück nach Lühesand zu paddeln. Hier ist es etwas ruhiger und wir paddeln weiter vom Fahrwasser entfernt als auf der Hinfahrt. Ich habe den Verdacht, dass vielleicht gleich eins meiner Schäfchen unvorhergesehen ins Wasser fällt. Der assistierte Wiedereinstieg gehört nämlich auch zur Prüfung. Der Kelch geht aber an diesem Tag an mir vorbei.

Notbiwak in allen Variationen

Später nutzen wir eine Pause am Strand von Hanskalbsand, um alle möglichen Varianten eines Notbiwaks aufzubauen und zu begutachten. Sehr interessant, wie viel verschiedene Möglichkeiten uns einfallen. Vom Stormshelter als minimalistische Variante bis zum Biwak unterm Tarp zwischen zwei Booten ist alles vertreten und hat auch alles seine Vor- und Nachteile.

Später, zurück auf Lühesand, gilt es dann mal wieder die Boote die steile Rampe hochzutragen. Nachdem alle umgezogen und bereit zum Abendbrot sind, ist es – wie am Vorabend – bereits dunkel. Es werden wieder diverse Einmalgrills angeworfen und nach dem Essen entzünden wir ein Feuer und können bei Wein, Grog oder Tee die vorbeifahrenden Schiffe bewundern.

Sonntagmorgen gilt es dann, alles Gepäck wieder in die Boote zu packen. Wir machen uns auf die Rückfahrt Richtung Neuenschleuse. Eins fehlt aber noch: der assistierte Wiedereinstieg. Auch wieder unter erschwerten Bedingungen, mit den vollgeladenen Boote, testen wir vor Hanskalbsand die Rolle und den Wiedereinstieg. Ich darf einem Paddelkameraden wieder ins Boot helfen. Hammer, ist sein Boot schwer! Es kostet mich ordentlich Kraft, das Boot zu lenzen. Aber am Ende ist er wieder im Boot. Prüfung bestanden. Weil es so viel Spaß macht und im Trockenanzug auch gar nicht kalt ist, übe ich dann auch noch den Wiedereinstieg in verschiedenen Varianten. Wenn man erst mal im Wasser ist, kostet es gar nicht mehr so viel Überwindung.

Prüfung bestanden

Zurück in Neuenschleuse gibt es eine kleine Abschlussrunde: Alle haben die Prüfung bestanden! Puh, sehr gut! Anschließend werden Boote und Gepäck verstaut, und zum Abschluss gibt es noch einmal Kaffee und sehr leckeren Kuchen im Hafencafé „Möwennest“.

Insgesamt war es ein sehr schönes Wochenende in lockerer Runde. Trotz ein bisschen Witzeln der Teilnehmer ist es unserem Fahrtenleiter und „Prüfer“ gelungen, eine gute Balance zwischen „zusammen paddeln und Spaß haben“ und der notwendigen, ernsthaften Prüfung zu halten.

Ach ja … und die erschwerten Bedingungen hätten wir zwei Tage später haben können. Da schlug das Wetter um, es stürmte und regnete ordentlich und für Hamburg wurde eine Sturmflutwarnung ausgegeben. So hätte ein Wochenenden Ende Oktober auch aussehen können.

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