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Ein Beitrag aus Heft 3/2018 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

Kult(o)ur Ruhr

Paddeln und mehr

Als wir im November 2017 im Bootshaus zusammensaßen, kam die Idee auf, während einer der Wochenendtouren von Freitag bis Sonntag mal das Sportliche mit dem Kulturellen zu verbinden: anstelle von drei nur zwei Kajaktouren und einen Tag lang die Region rund ums Paddelrevier zu erkunden. Und genau das war das Stichwort: das Revier.

Im Ruhrgebiet gibt es eine Vielzahl kleinerer Museen, die so ganz anders sind als die Ausstellungen in irgendeinem Gebäude. Die Rede ist von der Industriekulturroute, entlang der Bauwerke aus der Blütezeit der Region in Ausstellungsobjekte verwandelt wurden. Die bekanntesten sind längst kulturelle Höhepunkte: Zeche Zollverein in Essen, der Gasometer in Oberhausen und der Landschaftspark Duisburg-Nord.

Standquartier: Bochumer Kanuclub

Für das Paddeln auf der Ruhr wählten wir einen zentralen Standort im Ruhrgebiet: das Bootshausgelände des Bochumer Kanuclubs. Auf dem Weg von Hannover dorthin lagen gleich zwei der Exponate, so dass wir den Freitag damit verbrachten, eindrucksvolle Industriebaudenkmäler zu entdecken:

Das Schiffshebewerk Henrichenburg bei Waltrop am Dortmund-Ems-Kanal wurde bereits 1899 in Betrieb genommen und konnte bereits Schiffe von 67 Metern Länge und 8 Metern Breite über 13,5 Meter in die Höhe oder Tiefe befördern und so den Dortmunder Hafen an den Kanal anbinden. Neben einer Ausstellung sind das Schiffshebewerk und alte Kähne begehbar – beeindruckend.

Nur wenige Kilometer von unserem Quartier entfernt und damit eine ideale zweite Station sollte die Henrichshütte in Hattingen sein. Die Hütte entstand 1854 und diente der Stahlerzeugung, bis 1987 war sie in Betrieb. Es folgte ein Teilabriss. Wenige Gebäude auf dem 70.000 Quadratmeter großen Gelände blieben stehen, dieses Ensemble stellt das heute erkundbare Industriedenkmal dar. Im wahrsten Wortsinne herausragend ist dabei der letzte Hochofen des Ruhrgebiets mit 55 Metern Höhe, komplett über Treppen (!) begehbar. Mühsam, aber lohnend.

Und das Kajakfahren?

Zwei Tage hatten wir dann noch zum Paddeln. Einen Tag ging es vom KVW Hagen zu unserem Quartier in Bochum, am Folgetag weiter bis zum KV Rothe Mühle in Essen. Die Ruhr wechselt ständig zwischen Fließgewässer mit erstaunlich grüner Landschaft in einer hügeligen Region und aufgestauten Abschnitten. Wir passieren den Harkortsee und den Kemnader See. Den Baldeneysee in Essen, das Wassersportrevier der Region, erreichen wir im Gegensatz zu den bisherigen Ruhrtouren jedoch nicht mehr. Dazu sind die Distanzen doch zu groß, und wir haben dem Kulturteil bei dieser Fahrt einen größeren Raum eingeräumt. Dafür entdecken wir einiges anderes:

Es gibt Wehre mit Umtragestellen, die sehr lang und ohne Bootswagen nicht vernünftig zu bewältigen sind. Andere Staustufen wiederum sind mit Bootsgassen ausgestattet. Zwei davon waren wegen Reparaturarbeiten gesperrt und leicht zu umtragen, andere hingegen befahrbar. Bei der Durchfahrt durch die Gasse zeigte ein Blick aufs GPS eine Fahrtgeschwindigkeit von 22 Stundenkilometern. Insbesondere im Auslauf der Bootsgasse sollte man daher sein Kajak gut unter Kontrolle halten können.

Nicht ganz so schnell, aber wuchtiger und nasser ist die Bootsgasse in Hattingen, wohl eine der längsten: Die Anlage besteht aus einer Treidelgasse mit Steg, einem Fischpass und eben der Bootsgasse: 120 Meter lang, 4 Meter breit und große Wellen. Diese Bootsgasse macht enormen Spaß, wenn man einen Grundsatz beachtet: paddeln, paddeln, paddeln. Nicht nur im Auslauf, sondern hier sogar bei der Fahrt durch die gesamte Gasse. Sie ist breit genug dafür. Und wer schneller als das ablaufende Wasser unterwegs ist, weiß bekanntlich, dass er die Kontrolle über das, was da geschieht, haben kann.

Und sonst?

In einer Metropolregion sollte es doch einfach sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von einer Aussetzstelle zurück zur Einsetzstelle zu kommen, wenn schon Bahnhöfe jeweils in unmittelbarer Nähe sind. Die Geschichte dahinter gehört jedoch in den Rubrik Pleiten, Pech und Pannen und war auch mit Einsatz moderner Hilfsmittel (GPS und DB Navigator-App) so aufwändig, das jeder Autoshuttle schneller gewesen wäre.

Das Video zur Tour gibt es übrigens hier:

Kanuausbilder
Aktiv für Familien
Kanustation
Aktiver Verein
Paddel-Klub Hannover e.V.
Schützenallee 30
30519 Hannover

Youtube - Kanal

DKV-Kanutube

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