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Ein Beitrag aus Heft 3/2018 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

Wildwasser für Könner

Mit der WW-School aus Moskau auf norwegischen Flüssen

Das erste Mal war ich 2017 zum Wildwasserpaddeln in Norwegen. Die Tour hat mich so begeistert, dass ich mich gleich für das nächste Jahr angemeldet habe. Und so bin ich am 7. Juli 2018 erneut losgefahren – dieses Mal zusammen mit einem PKH-Kameraden.

Über Hamburg und Flensburg nach Frederikshavn in Dänemark. Von dort mit der Fähre nach Göteborg in Schweden. Dort hat uns ein ehemaliger Klassenkamerad meines Paddelkollegen einen super netten Empfang bereitet, ich durfte ein echt süd-indisches Frühstück bei ihm zu Hause verkosten. Weiter ging es über Oslo nach Buskerud, bis wir an einem „super Parkplatz mit Duschen und Toiletten, du wirst ihn nicht verpassen“ angekommen waren. Einige Stunden danach kamen drei Kleinbusse und ein PKW aus Russland angereist. Denn: Der Veranstalter dieser Touren ist der russische Kajak-Klub aus Moskau namens „WW-School“. Wer Russisch spricht, hat einen Vorteil, aber auch ohne Russisch kann man mit den Jungs wunderbar paddeln, wie mein indisch-stämmiger Begleiter bewiesen hat.

Unterwegs in Buskerod und Voss

Der ursprüngliche Plan war, die Tour vom letzten Jahr zu wiederholen. Die Flüsse Sjoa, Ula, Rauma, Valldola und Driva sollten es sein. Aber das Wetter hat den Plan über den Haufen geworfen. Wegen des sehr heißen Sommers hatten die Flüsse mit Ausnahme der Sjoa zu wenig Wasser. Die Jungs haben die Tour bis zuletzt neu geplant, und am Ende stand ein ganz neues Programm fest: Wir fangen mit dem Fluss Numedalslagen (Region Buskerud, nahe der Stadt Dagali) an, danach fahren in die Region Voss, um dort den Raundalselva, Sogndalselva und Myrkdalselva zu fahren. Zum Schluss standen Bovra und Sjoa auf der Liste.
Mein PKH-Kollege musste erstmal die kulturellen Eigenarten unserer Mitpaddler kennenlernen und wunderte sich, warum die Russen beim Trinken nur ernste Themen besprechen (es ging an dem Abend hauptsächlich um die Rolle von Alexander dem Zweiten in der russischen Geschichte und was wäre, wenn er nicht von Sozialisten getötet worden wäre).
Am nächsten Tag dann los aufs Wasser. Wir sind die Sambesi Sektion vom Numedalslagen gefahren. Es liefen nur 14 Kubikmeter Wasser durch den Fluss (standardmäßig sind es über 100), aber zum Warmpaddeln war das genug. Es gab ein paar Ausstiege auf dem Bach, einer musste sich von seinem guten Werner-Paddel verabschieden.

Nicht jeder Sprung gelingt

Der nächste Fluss war der Raundalselva, und er hat sehr viel Spaß gemacht. Wir waren vier Tage dort und sind abwechselnd drei Abschnitte gefahren: Fullon-Sektion, Train-Station-Sektion und Playrun-Sektion. Train Station und Playrun waren Genuss pur! Die beiden Sektionen haben Pool-Drop Charakter, wobei der Train Station dichter und die finale Schlucht etwas schwerer ist. Die obere Fullon-Sektion war steiniger, sie endet mit dem grandiosen, zehn Meter hohen Wasserfall „Nosebreaker“. 14 von 20 Teilnehmern haben sich für den Sprung entschieden. Mein hannoverscher Freund hat die Einfahrt sehr gut gemeistert (was das Schwierigste ist), und der Sprung war auch perfekt. Einem anderen Teilnehmer ist es nicht so gut gelungen, er ist auf dem flachen Boden gelandet und hat sich dabei nach hinten gelehnt (beides ist falsch). Seine Rückenschmerzen ließen auch am nächsten Tag nicht nach, und im Krankenhaus in Voss wurde ein Riss in einem Wirbel festgestellt. Krankentransport nach Bergen, OP, Flug nach Hause – ein etwas trauriges Ende der Wildwassertour für den Kameraden.
Nach vier Tagen Raundalselva ging es weiter an den Myrkdalselva. Ich habe mir an dem Tag eine Auszeit genommen und eine kleine Trekkingtour gemacht. Mein Begleiter ist ein kurzes Stück gepaddelt, hat aber schnell abgebrochen, weil der Bach sehr steinig war und bei konstantem Gefälle ohne „Pools“ runterlief. Bei den anderen gab es einige gebrochene Paddel und heftige Dellen an den Booten. Der Abend war der Bootsreparatur gewidmet.
Der nächste Tag war paddelfrei für alle; wir haben eine schöne Trekkingtour in der Nähe gemacht. Die Entdeckung des Tages: Das Bier schmeckt am Gipfel viel besser!

Geisterbahn auf dem Sogndalselva

Unser nächstes Ziel war der Sogndalselva. Ich bin nur die Hälfte gefahren – die obere Sektion. Sie ist auch sehr steinig bei konstantem Gefälle, man kann sie mit der oberen Oker vergleichen, also Geisterbahn auf fünf Kilometer Länge. Danach kommt die Triple-Falls-Sektion mit drei Wasserfällen, die insgesamt 20 Meter ausmachen. Einige andere sind diese Sektion nicht gefahren. Für einen derjenigen, die sich getraut haben, gab es eine sehr ernste Situation: Er wurde hinter den Wasserfall „Vorhang“ gezogen, nachdem seine Spritzdecke aufgeplatzt war. Er musste mit einem Wurfsack rausgezogen werden. Das ist erst beim dritten Versuch gelungen (hauptsächlich wegen der falschen Position des Retters, nicht wegen einer starken Walze).
Am selben Abend sind wir (mittlerweile vier Kleinbusse und vier Pkws) hinüber in die Region Oppland gefahren. Eine sehr schöne Fahrt über ein Hochplateau mit Schnee und Gletscher im Blick. Am nächsten Tag stand die obere und untere Bovra auf dem Programm - ein Gletscherfluss mit ganz anderem Charakter. Er ist sehr kalt und führte trotz der Hitze sehr viel Wasser. Die obere Sektion fängt nur wenige Kilometer nach der Quelle an. Es standen riesige Wellen, und die Walzen forderten Respekt. Generell ist die Bovra sehr empfehlenswert für Big-Volume-Fans.
Und zum Schluss – 100 Kilometer entfernt – waren wir auf der Sjoa. Die WW-School hat dort eine feste Wild-Camping-Stelle, die sauber gehalten wird. Der Amot-Abschnitt der Sjoa ist eine perfekte Übungsstelle fürs Boofen, Traversieren, Walzen, Surfen und Rollen. Am ersten Tag haben wir ihn fünfmal gemacht, am zweiten „nur“ dreimal und zum Schluss, als die Hälfte der Gruppe schon weg war, noch ein letztes Mal. Dann ging es für uns nach Hause. Schön war es!

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