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Ein Beitrag aus Heft 1/2017 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

Herbst auf der Mosel

Zehn Paddler auf Weinprobe

In der Zeit vom 30.9.2016 – 8.10.2016 machten sich zehn unerschrockene Paddler auf, die Mosel per Gepäcktour zu erkunden. Als wir zu Hause bei 30 Grad im Schatten unsere Klodden für die Fahrt zusammensuchten, konnte man gar nicht an die angekündigte Wetteränderung glauben, und so hatte kaum jemand an Paddelpfötchen gedacht. Das sollte sich rächen.

Der Tourstart

Wir trafen uns alle bei angenehmen Temperaturen am Freitag in Trier. Die Zelte wurden am Vereinsheim der Trierer Kanu Fahrer aufgebaut, und die Autos sollten am Folgetag nach Koblenz vorgebracht, während die restlichen Teilnehmer die Stadt erkunden wollten. Wir „Zurückgebliebenen“ hatten uns die Stadtbesichtigung der alten Römerstadt Trier schon so schön ausgemalt. Stadtführer waren gewälzt und die Besichtigungsvarianten (geführte Tour in historischen Gewändern oder auf eigene Faust ...) ausführlich diskutiert worden. Das Wetter belehrte uns eines Besseren. Schon beim Aufwachen waren die Tropfen nicht zu überhören: Es goss in Strömen und sollte auch so schnell nicht wieder aufhören. Einige Fahrer hatten Erbarmen und brachten die Kulturbeflissenen noch in die Innenstadt, bevor es nach Koblenz ging. Aus der Stadtbesichtigung per pedes wurde für einige eine Stadtführung per Bus. Danach erkundeten wir ausführlich den Dom inklusive Teilnahme an einem Orgelkonzert (mit Orgelteufelchen). Viele der anderen retteten sich vor dem Regen in Museen (im Stadtmuseum war eine interessante Sonderausstellung um Nero).

Das Wetter besserte sich erst mit der Rückkehr der Autofahrer, so dass wir abends das gegenüberliegende Moselsteilufer von der Abendsonne beschienen bewundern konnten.

Sekttaufe für den Biber

Der Sonntag zeigte sich seinem Namen entsprechend. Es war zwar noch kühl, aber die Sonne wollte unser Einbooten nicht verpassen. Nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück im Bootshaus der Trierer Kanu Fahrer ging es dann mit den Bootswagen zur Mosel. Eine Bootstaufe war angesagt. Ein Geburtstagsgeschenk sollte endlich seinen Namen erhalten. Der neue Canadier gehört jetzt zu den Bibern (Castor fiber), nachdem er mit Sekt vom gleichen Namen getauft wurde.

Die Clubmitglieder des Trierer Vereins waren ganz erstaunt, dass wir eine Kanutour schon mit Sekt beginnen. Aber wat mutt, dat mutt – schließlich muss der Biber immer genug Wasser unter dem Kiel haben! (Womit taufen die Trierer ihre Boote und stoßen auf eine „Allzeit gute Fahrt“ an?)

Für die nächsten Etappen hatten wir vereinbart zu schauen, wie es läuft und dementsprechend den nächsten Etappenpunkt festzulegen. Unsere erste Etappe sollte 22 km lang und ohne Staustufe sein. Nach 12 km steuerten wir den Bootssteg des Jachthafens in Schweich an. Während noch diskutiert wurde, ob wir am Steg bleiben oder uns unter die überdachten Plätze vor dem alten Kran setzen wollten, nahm uns das Wetter die Entscheidung ab: Die Sonne fing kräftig an zu tropfen. Schnell verschwanden immer mehr von uns in der Gaststätte. Dort hatten sich auch schon einige Ruderer verkrochen und genossen beim flackernden Kaminfeuer Zwiebelkuchen und Federweißen. Für uns war auch noch genug da! Leider konnten nicht immer alle im Trockenen bleiben. Ein paar Unerschrockene mussten bei jedem gesichteten Schlepper zum Bootssteg sprinten und die Boote, die wir im Wasser gelassen hatten, zu sichern. Sie wären sonst durch den heftigen Wellenschlag unter den Rand des Bootsstegs gedrückt worden.

Der Strauß führt zum Wein

Anschließend konnten wir trocken zum Campingplatz in Pölich paddeln. Nachdem wir eine Einweisung vom „Chef“ erhalten haben (Duschkabinen ohne Schuhe betreten, Dusche nachher vollständig trockenschrubben ...), konnten wir seinen Dienstleistungsgedanken kennenlernen: Auf unsere Frage, wo man hier abends essen gehen könnte, meldete er uns mit zehn Personen sofort in der einzigen Straußenwirtschaft an! Dies waren auch die letzten verfügbaren Plätze, denn wir waren nicht die Einzigen, die den hiesigen Wein probieren wollten. Es war dort eng und gemütlich, das Essen war lecker und günstig, die Weinkarte umfangreich, und der Winzer machte bei allen Gästen persönlich die Runde und gab Empfehlungen. Wir hofften, auf unserer Reise noch mehr von diesen gemütlichen Straußenwirtschaften kennenzulernen.

Am nächsten Tag wollten wir es bis Bernkastel-Kues schaffen: zwei Staustufen und 38 km Fahrt. Nach nur 1 km erreichten wir unsere erste Schleuse. Im Regen mussten wir eine Stunde lang warten, bis die Kreuzfahrtschiffe geschleust worden waren. Das Ein- und Ausfahren der Schiffe aus der Schleuse war sehr spannend, denn die passen so gerade in die Schleusenkammer hinein.

Camping in Bernkastel-Kues

Bei schönem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen kamen wir am Campingpatz an. Das Ausbooten gestaltete sich etwas schwierig, da der Steg nass und total rutschig war. Wir konnten uns dies bei dem schönen Wetter erst nicht erklären, aber schon nach dem ersten vorbeifahrenden Schlepper war uns der Hintergrund klar: Der Steg wird von den heftigen Wellen total überspült.

Mit vereinten Kräften gelang es uns, die schweren Boote aus dem Wasser zu heben ohne auszurutschen. Nach dem Zeltaufbau wollten wir mit Blick auf die Burgruine den Kaffee genießen. Doch sobald die Sonne hinter den Bergen verschwand, wurde es relativ schnell kühl, und so brachen wir zum Landgang auf.

Auf der Suche nach einem Lokal mit genügend Plätzen kamen wir am interessanten Zinnen bewehrten Geburtshaus von Nicolaus Cusanus (1401 – 1464, zu Lebzeiten ein berühmter Universalgelehrter) sowie vielen alten Prachtbauten vorbei. Offenbar musste jeder Winzer, der auf sich hielt, einen Sitz in Bernkastel haben. Die repräsentativen Häuser entlang der Mosel waren sehr beeindruckend und der 3 km lange Fußmarsch zum alten Bahnhof war dadurch sehr kurzweilig.

Frost in Bullay

Für die Fahrt nach Bullay hatten wir uns trotz des Sonnenscheins warm eingepackt. Kurz nach unserem Pausenplatz in Reil konnten wir auf einem Bergrücken vor uns die Marienburg sehen. Jemand schlug vor, abends noch auf den dortigen Aussichtsturm zu steigen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir abends die Burg wiedersehen sollten. Nach 11 Paddelkilometern war man jedoch wieder auf gleicher Höhe, nur wir waren abends zu kaputt zum Wandern und wollten nur noch im Warmen bei Wein und gutem Essen sitzen. Der ein oder andere hat für den Landgang sogar eine kalte Dusche in Kauf genommen, da die Münze im Duschautomaten nicht durchrutschte.

Schon beim Verlassen des Restaurants war es empfindlich kalt. Wie kalt die sternenklare Nacht wurde, konnten wir am nächsten Tag anhand der überfrorenen Zelte und Spritzdecken feststellen. (Unsere erste Eisfahrt im Paddeljahr). Die harten Mitpaddler haben mit Mütze und Daunenjacke bekleidet morgens draußen gefrühstückt, andere zogen das warme Zelt vor. Anschließend wurden die leeren Zelte in die Sonnenplätze zwischen den Wohnmobilen geschleppt, um sie aufzutauen. (Die Wohnmobilisten haben unsere Aktionen mit Verständnis und mitleidigen Blicken begleitet.)

Uriger Weinkeller in Bruttig

Beim Ausbooten in Bruttig wurden wir durch einen Einheimischen unterstützt. Wir nutzten die Gelegenheit, uns nach einem Weinkeller in der Nähe zu erkundigen. Und wirklich, er hatte einen guten Tipp für uns. Donnerstags gebe es in der Straußenwirtschaft seines Nachbarn immer einen Grillabend – Grillgut und selbstgemachte Salate satt. Wir haben einen wunderschönen Abend in der urigen Atmosphäre des Weinkellers erlebt, der sicherlich allen Teilnehmern noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Vor dem Verlassen der Straußenwirtschaft mussten wir uns noch mit Likör und Marmelade aus Weinbergpfirsichen eindecken. Diese Spezialitäten gibt es übrigens in jeder Straußenwirtschaft entlang der Mosel und natürlich in Cochem.

Paddelboot gegen Kreuzfahrtschiff

Am nächsten Tag war Kultur angesagt. Die Pause sollte mit einem Stadtgang in Cochem begangen werden. Kurz vor unserem Pausenziel wurde es immer regnerischer. Der Ausstieg am Slip im Sportboothafen war nur mit vereinten Kräften zu bewältigen, da der Steinslip glatt wie Schmierseife war. Nur unsere Canadierfahrer konnten die Verkleidung des Stegs als Treppe nutzen. Cochem schien trotz des schlechten Wetters von Touristen, Weinhandel und Andenkenläden überschwemmt zu sein.

Bei Regen verkrochen wir uns nach einer Stärkung wieder in unsere Boote. Hinter der Schleuse lagen mehrere Kreuzfahrtschiffe im Paket. Und dann hieß es: Paddelboot behindert Kreuzfahrtschiff (obwohl wir ziemlich am Rand gefahren sind). Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Schiffe auch längere Strecken rückwärtsfahren und musste dann hinter mir plötzlich das Schiffshorn hören (nach vorne war total viel Platz gewesen). Nach ca. 5 km Fahrt konnten wir dann sehen, wie so ein langes Luder es endlich schafft, in einer Moselschleife zu wenden.

Fazit

Eine schöne Tour! (Es hätte nur etwas wärmer sein können. Aus diesem Grunde hatte die Weinlese auch noch nicht begonnen). Ich habe die Fahrt entlang der Weinberge genossen. Ab der ersten Staustufe luden Kiesbänke zum Verweilen ein, was wir auch hin und wieder genutzt haben. Die Ufer waren um diese Jahreszeit wunderschön durch das Sonnenblumengelb des Topinamburs verziert. Für uns Gepäckfahrer war es ein Luxus, jeden Abend in gemütlicher Runde im Warmen bei gutem Essen und Wein zu sitzen. Die Gastfreundschaft der Straußenwirte hat uns sehr gefallen. Die vielen Schleusen haben uns anfangs geschockt, aber sie waren sehr komfortabel und ohne die Boote zu verlassen zu bedienen. Nur die vielen Wohnmobilplätze entlang der Mosel haben manchmal die Landschaft etwas verschandelt.

Ach ja, am Ende der Fahrt war uns allen klar, warum die Moselweine so drollige Namen haben wie Kröver Nacktarsch, Zeller schwarze Katz, Piesporter Goldtröpfchen, um nur einige zu nennen.

Kanuausbilder
Aktiv für Familien
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Aktiver Verein
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Schützenallee 30
30519 Hannover

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