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Ein Beitrag aus Heft 1/2017 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

Mit dem Seekajak in Kroatien

Nordlichter am Mittelmeer

Endlich einmal einen richtigen Sommerurlaub verbringen, das war mein Wunsch im Jahr 2016. Nachdem wir uns in den Vorjahren immer eher im Norden aufgehalten hatten, wollte ich endlich einmal abends vorm Zelt sitzen, nicht frieren und lange, laue Sommernächte genießen. Und so fiel unsere Wahl auf Kroatien, genauer gesagt auf die Halbinsel Istrien im Norden des Mittelmeer-Staates. Erstes Ziel war der Küstenort Rovinj.

Riesig und voll

Den ersten Schock bekamen wir, als wir den angedachten Campingplatz besichtigten. Die Campingplätze in Kroatien sind das absolute Gegenteil der Campingplätze in Nordeuropa. Die schiere Größe hat uns schon erschlagen. Bei bis zu 1 000 Stellplätzen kann man sich schon mal verlaufen … Das war schon mal nix. Also lieber nochmal weiter gucken. Als Alternative hatte uns mein Bruder einen gerade neu eingerichteten Campingplatz minimal weiter draußen genannt. Der sagte uns dann schon mehr zu. Gerade erst eröffnet, war der Andrang noch nicht ganz so groß.

Camping de luxe: Val Saline

Wir fanden einen Stellplatz fast direkt am Strand, und der Campingplatz bot mehr Luxus als manche Hotelanlage: Neben dem eigenen Strand mit Sonnenschirmen und Strandliegen gab es auch einen eigenen Pool, Spielplätze, ein Restaurant, eine Outdoorfitness-Anlage, ein Fußballfeld mit Kunstrasen (der meine männliche Begleitung sehr beeindruckt hat) und vieles mehr. Aber eigentlich wollten wir ja paddeln...

Fische und Muscheln im Limski-Fjord

Also rein ins Boot und mal schauen, was das Mittelmeer so zu bieten hat. Die Küste vor Rovinj zeichnet sich durch viele kleine Inseln aus. Da gibt es bestimmt was zu sehen. Im Vorfeld konnte ich wenig über Seekajak-Fahren in Kroatien in Erfahrung bringen. Eins aber war sicher: Zu kalt würde es uns wohl nicht werden. Von Ronvinj aus unternahmen wir mehrerer Touren. Eine davon führte uns in den Limski-Kanal, der auch als Limski Fjord bezeichnet wird. Am Ufer des Fjords sind wegen des geringen Salzgehalts und der hohen Sauerstoffkonzentration des Wassers mehrere Fisch- und Muschelzuchten angesiedelt.

Kiesstrände und Felsküsten zwischen Rovinj und Barbariga

Eine weitere Tour unternahmen wir entlang der Küste von kleinen Küstenort Barbariga zurück nach Rovinj. Trotz der relativ hohen Temperaturen lässt es sich im Boot einigermaßen gut aushalten, denn es weht immer eine leichte Brise, und das Meer ist immer in Bewegung. Die Küste ist geprägt von Kiesstränden und Felsenküste. Anlanden kann da schon mal zum Problem werden, besonders bei Wellengang. Ein anderes Problem sind die Motorboot-Fahrer. Es herrscht reger Betrieb auf dem Meer. Nicht immer sind die Fahrer rücksichtsvoll. Wohl dem, der sich auch bei Wellengang in seinem Kajak wohlfühlt.

Kristallklares Meer und malerische Städtchen

Belohnt wird man durch strahlende Sonne und kristallklares, blaues Meer. Aber nicht nur über Wasser hat Istrien einiges zu bieten. Mit einer einfachen Schnorchelausrüstung kann man fast überall an der Küste faszinierende Unterwasser-Welten entdecken. So dauert die Mittagspause dann auch mal ein bisschen länger.

Rovinj ist malerisch gelegen und hat eine sehenswerte Altstadt mit vielen kleinen Gässchen und einem tollen Blick auf das Meer. Allerdings ist es auch sehr touristisch geprägt und für menschenscheue Paddler wohl ein Stück zu rummelig. Nach ein paar Tagen in Rovinj beschließen wir daher, weiter nach Süden zu fahren, um noch mehr von Kroatiens Küste kennenzulernen.

Pausenplatz de luxe: Istriens Ostküste

Nach einem kurzen Zwischenstopp auf den Campingplätzen in Pula (zu groß und zu voll) landen wir schließlich auf dem Campingplatz Tunarica, der an der östlichen Küste Istriens, 17 km von Labin entfernt liegt. Vom Fünf-Sterne-Luxuscamp zum Zwei-Sterne-Platz. Der Platz ist für kroatische Verhältnisse relativ klein und wird von vielen einheimischen Campern genutzt. Er liegt malerisch an einer kleinen Bucht und bietet so ideale Bedingungen als Ausgangspunkt für diverse Seekajak-Touren.

Traumhaft schöne Pausenstellen

Wieder erkunden wir die Küste in beide Richtungen. Hier sind viel weniger Motorboote unterwegs, und auch sonst ist es viel weniger touristisch. Wir finden traumhaft schöne Pausenstellen. Die schönste ist wohl eine versteckte Höhle, die wir nur durch Zufall entdecken. Die Durchfahrt ist gerade breit genug für ein Kajak. Innen öffnet sich die Höhle, und wir landen an einen weißen Kiesstrand an. Sensationell! Hier treffen wir auch das erste und einzige Mal auf einheimische Seekajak-Fahrer, die die Höhle, wie wir, auch nur durch Zufall gefunden haben.

Auch weitere Touren machen einfach Spaß. Die Küste ist hier nicht so dicht besiedelt wie rund um Rovinj. Es ist viel einsamer, und man hat eine abwechslungsreiche Küste, geprägt von tollen Felsformationen, Kiesstränden und Kiefernwäldern.

Nach insgesamt neun Tagen Kroatien und sieben verschiedenen Seekajak-Touren machen wir uns schließlich wieder auf den Weg zurück nach Hannover. Da gut 1 200 km zurückzulegen sind, entscheiden wir uns für eine Übernachtung am Chiemsee. Dort gibt es gerade einen Kälteeinbruch, und es hat nur zwölf Grad Celsius. Trotz malerischen Regenbogens über dem Chiemsee: Urlaub im Warmen ist schon schön!

Kurzinfo

Steckbrief Kroatien

Beste Reisezeit: Wir waren Anfang Juni in Kroatien, und es war zum Seekajak-Fahren schon grenzwertig warm. Etwas früher oder im Spätsommer/Herbst ist es vermutlich nicht ganz so warm. Zum Schnorcheln ist der Herbst vermutlich besser geeignet, weil dann das Wasser wärmer ist.

Wind: Spätestens ab 11 Uhr morgens wurde es windig. Für uns ideale Bedingungen, weil es ohne Wind im Boot bei den hohen Temperaturen nicht aushaltbar ist. Wer allerdings noch nicht so sicher im Boot sitzt, sollte seine Touren liebe in den frühen Morgen verschieben. Auch sollte man den Wetterbericht verfolgen: Auch wenn die Bora im Sommer nur selten und kurz auftritt, möchte man dann nicht draußen auf dem Wasser sein.

Ausrüstung: Kroatien war ein Härtetest für unsere Ausrüstung. Salzwasser, UV-Strahlung und der Wechsel zwischen heißem Strand und kaltem Wasser hat an den Seekajaks die eine oder andere Spur hinterlassen. Die Kratzer vom Anlanden an der felsigen und manchmal scharfkantigen Küste mal ganz abgesehen.

Tourenbeschreibungen: Ich habe fast nichts über Seekajak-Touren in Kroatien gefunden, und wir hatte auch keine Seekarte sondern nur eine Straßenkarte dabei. Da bleibt nur: einfach ausprobieren. Ein Blick in Google Earth kann hilfreich sein, denn Steilküsten oder auch nur felsige Küstenabschnitte machen das Anlanden zum Teil schwer bis unmöglich.

Sehenswert: Rovinj und Labin waren beide sehr sehenswert. Während sich in Rovinj regelrechte Menschenmassen durch die Altstadt schieben, konnten wir in Labin ganz entspannt durch die Gässchen schlendern.

Camping: Die Campingplätze sind sehr groß bis unfassbar riesig. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen Bootswagen einstecken, denn die Plätze direkt am Wasser sind naturgemäß sehr begehrt. Beim Aufstellen des Zeltes beachten: Pinien harzen, und das Harz lässt sich danach nur mühsam wieder vom Zelt, Auto oder Boot entfernen. Wer die Wahl hat: lieber einen anderen Platz suchen!

FKK: Istrien ist eine FKK Hochburg. Es gibt sehr viele FKK Campingplätze oder Strände. Nackte überall. Wer sich von nackten Motorboot-Fahrern gestört fühlt, sollte lieber woanders Urlaub machen.

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